
So langsam spricht sich die entspannte Atmosphäre, die loyalen Fans und das ganze Drumherum wohl bei den Bands herum, denn inzwischen scheint es den beiden Veranstaltern, nicht mehr so schwer zu fallen, bekannte Bands in das Billing mit aufzunehmen. Dabei profitieren sie allerdings sicherlich auch davon, dass einige Bands ihren Auftritt auf dem Wacken Open Air mit einer kleineren Tour verbinden und da das HOA nur eine Woche vor dem WOA stattfindet. Dennoch hatte man im Vorfeld mit einigen Absagen zu kämpfen, die jedoch größtenteils so weit vorher bekannt gegeben wurden, dass sowohl Fans als auch Veranstalter sich darauf einstellen konnten. So haben 3 INCHES OF BLOOD ihren Auftritt bereits im April canceln müssen, da sich ihre Tour verschoben hat. AMULANCE hingegen hatten im Juni abgesagt, da aus persönlichen Gründen zwei Bandmitglieder ausgestiegen waren. Ebenso spielten SEASONS OF THE WOLF nicht. Gerade für die Underground- Fans waren diese Absagen schlecht, aber es blieben natürlich noch genügend gute Bands übrig.
Donnerstag, 24.07.2008
Los ging es, wie schon im letzten Jahr, an einem Donnerstag, wo man sich bereits fünf Bands anschauen konnte. Die meisten Headbanger, gerade Diejenigen aus dem Ausland, waren bereits am Mittwoch eingetroffen, am Folgetag waren eigentlich alle Fans da, die nicht mehr arbeiten mussten. Nur die Leute aus der näheren Umgebung ließen sich noch nicht komplett blicken.
Um 18 Uhr eröffneten die Saarländer MESSENGER das Festival. Die Jungs bestehen bereits seit 18 Jahren, man hat es bisher jedoch nur auf vier Alben gebracht, wobei zwischen 1994 und 2003 überhaupt keine musikalischen Lebenszeichen erfolgten. Ihr traditioneller Heavy Metal, der im „neuen“ Jahrtausend deutlich härter daherkommt als in den 90er Jahren, weckte das Interesse der ersten Fans, die sich zunächst neugierig und schüchtern aus sicherer Entfernung die Band anschauten. Charakteristisch waren das eingängige Songwriting und die hohen Vocals, allerdings wiederholte sich auch viel innerhalb der Songs. Als Opener aber schon mal ein guter Start!
Danach sollten eigentlich ANCESTRAL aus Italien spielen, dazu kam es allerdings nicht. Kurzfristig konnte allerdings ein mehr als würdiger Ersatz gefunden werden: ROXXCALIBUR ist eine NWoBHM- Tribute- Formation, in denen Bandmitglieder von ABANDONED und VIRON spielen, die ohnehin anwesend waren und so gerne auf die Bühne kletterten. Nicht nur ich hatte von dieser Coverband zuvor noch nichts gehört. Ich rechnete eigentlich damit, die bekannten Gassenhauer der NWoBHM um die Lauscher geknallt zu bekommen, aber nix da: Kein IRON MAIDEN, kein SAXON, kein DEF LEPPARD, stattdessen unsterbliche Legenden wie „Helpless“ (DIAMOND HEAD), „Let It Loose“ (SAVAGE), „Axe Crazy“ (JAGUAR), „Angel Witch“ (ANGEL WITCH) oder „See You In Hell“ (GRIM REAPER). Dazu gesellten sich dann noch eher unbekanntere Sachen wie „Destiny“ (TRIDENT), „Rainbow Warrior“ (BLEAK HOUSE), „If I Were King“ (VARDIS) oder „Witchfinder General“ (WITCHFINDER GENERAL). Gelaber gab es nicht viel, hier stand die Musik im Vordergrund. Das waren auf jeden Fall sehr kurzweilige 50 Minuten, in denen die Bock richtig Spaß hatte und den Auftritt sichtbar in vollen Zügen genoss. Wenn die Band mal in Eurer Nähe spielt – checkt sie an, die Band macht echt Laune!
Der Auftritt von DEADLY BLESSING wurde im Vorfeld sehr skeptisch betrachtet. Zuletzt sind sie ja 2005 auf dem „Keep It True“- Festival aufgetreten, was sehr beeindruckend war. Alle Leute, die damals dabei waren, bekommen alleine beim Gedanken daran wahrscheinlich noch heute eine Gänsehaut. Aber zwischenzeitlich ist Sänger Ski, Aushängeschild und Identifikationsmerkmal, ausgestiegen, um seine eigene Band FAITH FACTOR zu formieren. Ersetzt wurde der gute Mann von Stephen Childs, der bisher noch in keiner bekannten Band gesungen hat. Von der Statur her hünenhaft gebaut, versuchte auch er hoch zu singen, drang aber eben nicht in die Sphären von Vorgänger Ski ein, aber das ist ja auch recht einzigartig. Ursprünglich hatte sich die Band ja nur für einige Gigs reformiert, aber nun ist auch von einem neuen Album die Rede, von dem es Einiges zu hören gab. Dazu kamen noch Tracks der „An Eye To The Past“- Scheibe, so dass es nur noch zu wenigen Songs vom ersten Album reichte wie beispielsweise dem unvermeidlichen „Search And Destroy“. Mit dem neuen Songmaterial war natürlich kaum einer vertraut und es wirkte auch anders als die bekannten Tracks. So war das Songwriting deutlich progressiver und technischer, aber vermutlich benötigen die Songs einfach nur ein paar Durchläufe. So war es leider kein Höhepunkt.
BENEDICTUM sind eine hoffnungsvolle Nachwuchsband, die bei Locomotive Records vor einigen Monaten ihr zweites Album veröffentlicht hat. Mit einer Tour zum neuen Album hat es bislang noch nicht gereicht, dafür beackern die Amis gerade sämtliche deutsche Festivals, denn vor dem Headbangers Open Air waren sie bereits auf dem Magic Circle- und dem Rock Harz Festival zu Gast. Aushängeschild ist natürlich Sängerin Veronica Freeman, die nicht nur toll aussieht, sondern auch eine Wahnsinnsstimme hat. So etwas nennt man wohl Rockröhre! Als Vergleichspersonen seien hier mal Leather Leone (LEATHER) oder Kate French (CHASTAIN) genannt, denen sie ziemlich nahe kommt. Zudem hat sie schon jetzt die Fans gut im Griff und weiß zu unterhalten. Dagegen sind Gitarrist Pete Wells und Bassist Jesse Wright eher schüchtern, auch wenn Letzterer auf der Bühne ein Aktivposten ist. Keyboarder Chris Morgan war wie immer wild am Dauerheadbangen, während Drummer Paul Courtois ordentlich seine Felle verdrosch. Songtechnisch standen naturgemäß die Songs vom aktuellen Album wie „Shell Shock“, „Bare Bones“, „Steel Rain“ oder der knapp zwölfminütige Titeltrack im Vordergrund. Garniert wurde das Ganze mit einigen Songs vom Debüt „Uncreation“ sowie dem ACCEPT- Cover „Balls To The Wall“, wofür sich Veronica noch einen Fan auf die Bühne zur Verstärkung holte.
EXODUS sollten dann um 22.50 Uhr auf der Bühne stehen, aber wie das nun mal so ist mit eigenwilligen Headlinern, ging es erst etwa 40 Minuten später los. Dabei rollten sich schon beim Opener „Bonded By Blood“ die Fussnägel hoch, was veranstaltet denn Sänger Rob Dukes da? Versucht doch glatt, eine Hardcore- Nummer daraus zu machen, so dass man den Track erst im Refrain erkennt! Hat die Band für ihren Sound und vor allem für den „Gesang“ auf den letzten beiden Alben schon einiges an Kritik einstecken müssen, so setzt sich das bei den Konzerten fort. Dazu kommt eine sehr seltsame Reihenfolge des Sets, denn „Bonded By Blood“ sollte der einzige ältere Song für die nächste Dreiviertelstunde (!!) sein. Außerdem machte sich Dukes durch politische Aussagen und abfällige Bemerkungen über Deutschland und deren Fans unbeliebt. Hallo? Es gibt genug Ami- Bands, die dankbar sind, in Deutschland spielen zu können, aber auch für EXODUS wachsen die Bäume hier bei uns nicht in den Himmel, vor allem nicht nach zwei so unterdurchschnittlichen Alben wie „Shovel Headed Kill Machine“ und „The Atrocity Exhibition...Exhibit A“. Gut, bei diesem Festival gab es nicht unbedingt das Publikum für modernen Thrash Metal mit Hardcore- Gesang, aber das merkt man als Band doch auch schnell! Die zweite Hälfte des Sets war dann gespickt mit Oldies der Marke „And Then There Were None“, „A Lesson In Violence“, „Fabulous desaster“ oder „Piranha“ und mit „Hell´s Breath“ grub die Band sogar noch einen unveröffentlichten Demo-Song aus dem Jahr 1983 aus, der auch einen kurzen Part beinhaltete, den man von METALLICA kennt, was mich zu der Annahme verleitet, dass der Song damals von METALLICA-Gitarrist Kirk Hammet geschrieben wurde, der ja von 1981 bis 1983 bei EXODUS spielte. Abgeschlossen wurde das Set neben diesem Schmankerl dann von „Strike Of The Beast“. Zwischendurch hat man gemerkt, dass Dukes Stimme zu den langsameren Tracks der Marke „Blacklist“ oder „The Toxic Waltz“ durchaus passt – aber bei den schnelleren Sachen greift er auf sein Hardcore- Organ zurück und das ist mehr als deplatziert. Wenigstens hat die Band statt den angesetzten 70 Minuten zwanzig Minuten länger gespielt.
Freitag, 25.07.2008
Das bedeutete allerdings auch, dass die Band statt um 0 Uhr erst gegen 01.30 Uhr fertig war, da sie ja auch später begonnen hatte. Meinereiner musste am nächsten Tag leider der Arbeit nachgehen und so verpasste ich die ersten beiden Bands. Dies betraf zum einen die deutschen BLACK HAWK sowie DEADLY BLESSING, die die kurzfristig ausgefallenen PARADOX ersetzten. Sänger, Gitarrist und Bandleader Charly Steinhauer war kurz vor dem Auftritt leider schwer erkrankt. Schade, die Band hat aber auch ein Pech, trotz guten Kritiken ihrer Alben kommen sie einfach nicht voran. Laut der My Space- Seite von PARADOX spielen sie jedoch im nächsten Jahr auf dem Headbangers Open Air und auch der Veranstalter selbst hat die Jungs inzwischen für das nächste Jahr bestätigt.
MORTAL SIN hatten ja auf der OVERKILL- Tour im März schon ordentlich abgeräumt, nun brachten sie den Thrash Metal nach Brande-Hörnerkirchen. Die Australier waren topmotiviert und hauten den begeisterten Fans Klassiker der Marke „Blood, Death, Hatred“, „Lebanon“, „Into The Fire“ oder auch „I Am Immortal“ um die Ohren. Doch die Band lebt nicht in der Vergangenheit und hat schließlich mit „An Absence Of Faith“ auch ein aktuelles Album vorzuweisen, von dem es Songs wie „Out Of The Darkness“ oder „Tears Of Redemption“ zu hören gab. Die kraftvollen Backing Vocals luden zum Mitgröhlen ein und die beiden Originalmitglieder Mat Maurer (Gesang) und Andy Eftichiou (Bass) gaben auf der Bühne ordentlich Gas und waren ständig am Rumrennen. Sie suchten den Kontakt zum Publikum und Andy hatte sogar Zeit, sich während der Show mit einem Fan auf der Bühne fotografieren zu lassen. MORTAL SIN wurden mit Sprechchören dauernd abgefeiert und die Band genoss das natürlich – wo sonst erlebt sie so etwas schon? Zum finalen Song „Mayhemic Destruction“ bat Sänger Mat Fans auf die Bühne, allerdings hatte er wohl nicht mit einer so großen Resonanz gerechnet, nachdem die Bühne voll mit Fans war, reichte es ihm dann doch... Die Australier hatten kaum genug Platz für ihre Instrumente und dermaßen beengt wurde der Track mit den Fans auf der Bühne intoniert. Dass es sich dabei um Old-School-Thrasher mit entsprechender Bekleidung handelte, soll nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden, auf jeden Fall fühlte man sich wie in einer Zeitmaschine...ich sage nur knallblaue Spandexhose und weiße Turnschuhe, so soll es sein ;-)
SWEET SAVAGE kennen wohl nur die beinharten NWoBHM- Fans. Die Iren gründeten sich 1979, brachten es aber in den 80ern nur zu einigen Singles und einem Demo. In den 90ern erschienen zwei CDs und dieser Tage eine wirklich tolle Best Of- Doppel-LP mit dem Namen „Eye Of The Storm – The Early Days“. Natürlich ist die Band in erster Linie für ihren Song „Killing Time“ bekannt, den METALLICA gecovert haben. Doch nach dem Opener „Ground Zero“ coverte die Band ihrerseits erst mal einen Song und zwar „Breadfan“, den ebenfalls METALLICA nachspielten, der aber im Original von BUDGIE stammt. Weiter ging es mit Songs wie „Prisoners“, „Sweet Surrender“, „Prospector“, „Queens Vengeance“ oder auch „Lady Of The Night“. Die Band hatte viel Spaß und war gut drauf, da konnten auch ein zu leiser Gitarrensound und zu laute Drums nichts daran ändern. Ganz so viel los war vor der Bühne diesmal nicht, aber das wird sicherlich am Bekanntheitsgrad von SWEET SAVAGE liegen, auch wenn Lee Altus von EXODUS am Abend zuvor ein Shirt der Band trug. Ihren Abschluss fand der Auftritt dann mit „Eye Of The Storm“ und natürlich durfte auch „Killing Time“ nicht fehlen, für das die Band noch einmal auf die Bühne gebeten wurde. Die viel zu kurze Spielzeit von 45 Minuten wurde nicht ausgereizt, insofern ist es unverständlich, warum das eigentlich geplante „Whiskey In The Jar“ unter den Tisch fallen musste.
Auch LETHAL treten in Deutschland nicht zum ersten Mal auf. Doch nach ihrem guten Gastspiel auf dem achten „Keep It True“- Festival im letzten Jahr war man gespannt, wie sich die Jungs aus dem Amilande wohl auf dem HOA schlagen würden. Mit einer Spielzeit von 55 Minuten, sehr vielen Fans vor der Bühne und einem amtlichen Sound stimmten die Rahmenbedingungen und LETHAL nutzen diese Vorlage, um einen hammergeilen Gig hinzulegen! Wenn man als US Metal-Band alleine mit einem Song wie „Fire In Your Skin“ anfängt, den andere Bands als Zugabe spielen würden, dann kann da auch nichts mehr anbrennen. Da vermag dann auch das Outfit mit Strohhut oder literweise Fett in den Haaren den Spaß nicht mehr zu verderben. Wir sind eben nicht mehr im Jahr 1985, wo jede Band mit Pudelfrisur und engen Klamotten rumlief. Solange die Musik aber dermaßen authentisch und überzeugend rüberkommt und die Band dermaßen viel Spielfreude vermittelt, soll uns das recht sein. Daumen hoch!
Hinsichtlich der nächsten beiden Bands übergebe ich mal an den Kollegen Aggressive Perfector.
Vom Gig von AT WAR weiß ich immer noch nicht, was ich halten soll. Auf Platte gefallen mir die Amis ja echt ganz gut und was ich auf dem Thrash Assault letztes Jahr mitbekommen habe, war auch wirklich in Ordnung. Auf dem Headbangers waren AT WAR aber um Längen schlechter. Stimmlich irgendwie grottig, instrumental auch recht durchschnittlich und die Sache, die AT WAR zu dem machen, was sie sind, nämlich, dass sie es schaffen, den Krieg auf der Bühne zu entfesseln, hat mir auch gänzlich gefehlt. Keine Patronengurte wohin das Auge blickt und die langweilige Musik brachten mich letzten Endes auch dazu, nach drei Songs wieder einige Bier zu verhaften. Beim Publikum schienen AT WAR ganz gut angekommen zu sein, sehr viele meinten dennoch, dass sie schon deutlich bessere Gigs von ihnen gesehen haben.
Nun, der Tag näherte sich langsam seinem Ende, genau so wie die Tour von IMPALER aus den Staaten. Ich habe die 4 + 1 Horror-Speedmetaller ja bereits auf dem „Hells Pleasure“- Festival gesehen und die Show sowie Musik dort auch schon als wirklich ansprechend befunden. Ab der ersten Sekunde wurde ordentlich die Sau raus gelassen, der Sänger machte, zusammen mit einer zweiten Person, deren Sinn auf der Bühne ich nach wie vor nicht so richtig verstanden habe, ordentlich Stimmung und auch im Publikum ging’s ganz gut ab. Dann gab‘s noch das übliche Kopf essen, allerdings auch noch ein paar Einlagen, die auf dem „Hells Pleasure“- Festival nicht zu sehen waren. Beispielsweise einige Innereienspielereien und die fast theaterreife Darbietung einer Frauenvergewaltigung sowie wrestlingmässiges Stuhl-auf-dem-Kopf zerhauen. Alles in allem ein guter Auftritt, welcher auch ganz amüsant anzusehen war.
Langsam wurde es mal Zeit, das umliegende Gelände in Augenschein zu nehmen. Gleich neben dem Eingang befanden sich einige Fress- und Saufbuden, dazu gesellten sich ein paar Stände, wo es Accessoires zu erstehen gab. Das Festival-Merchandise gab es allerdings direkt auf dem Festivalgelände, etwas versteckt im hinteren Teil, wo man auch Zigaretten kaufen konnte. Hervorheben sollte man die Preise der Gastronomie: Wurst 2 Euro, Steak im Brötchen 3,50 Euro, Kartoffelsalat 1,50 Euro, Bier 2 Euro plus 1 Euro Becherpfand. Damit hat das HOA als so ziemlich einziges Festival alle Preise aus dem letzten Jahr beibehalten können und das trotz etwas weniger Zuschauer als im letzten Jahr – ein großes Lob an den Veranstalter, hier wird Fanfreundlichkeit wirklich noch groß geschrieben. Dass sah man auch an dem Meet & Greet- Zelt, wo fast alle Bands Autogrammstunden gaben und man sich so einmal ganz locker mit den Truppen unterhalten konnte, denn viel los war hier eigentlich nie. Da hat man schon längere Warteschlangen gesehen. Auch dass man sein Auto direkt neben dem Zelt abstellen konnte, war ein toller Service. Für die Leute, die aus dem Umland kamen und zwischen den Tagen nach Hause fuhren, wurde ein weiterer Parkplatz eingerichtet, wie es das schon im letzten Jahr gab. Es gibt in der Tat nur wenig zu kritisieren, aber lange Wartezeiten bei der Getränkeausgabe, die fehlende Beleuchtung auf dem Campingplatz oder die Dixies, die nicht geleert wurden, gehören definitiv dazu.
Vor den Gastronomieständen waren Sitzbänke aufgestellt und so kam man bei Wurst und Bier schnell ins Gespräch mit anderen Fans. Dabei stellte sich heraus, dass das Festival immer internationaler wird. Ob Finnen, Griechen, Spanier, Italiener oder Holländer – hier war das halbe Europa vertreten. Außerdem waren auch noch Amis und Kanadier vor Ort, die ihren Urlaub in Europa auf einigen Festivals verbrachten. Die müssen nämlich um den halben Erdball reisen, um ihre Lieblingsbands live zu sehen, während wir sie Jahr für Jahr vor die Nase gesetzt bekommen. Dass das nicht selbstverständlich ist, wird einem durch die Stories solcher Fans erst bewusst.
Negativ aufgefallen sind mir einige total verstrahlte Leute, denen das Saufen wichtiger als die Musik war und die sich dann schön in die Mittagssonne hauten. Bei Temperaturen um die 34 Grad war das bestimmt kein schönes Erwachen. Erschreckend viele von ihnen gehörten zu der Personengruppe der 15-17-Jährigen, die eigentlich nur auf Saufen, Parties und Stress aus waren. Schlägereien und dergleichen hielten sich aber zum Glück in Grenzen. Mir persönlich sind nur zwei Fälle bekannt und in beiden Angelegenheiten wurden diese provoziert. Ich meine, wer mit einem Stahlhelm am Stagediven ist, muss sich nun wirklich nicht wundern, mal ein paar Schläge in die Kauleiste zu bekommen.
Ebenfalls Anlass zur Kritik bot ein Offizieller, der ständig in seinem motorisierten Dreirad umher fuhr und die Leute dazu aufforderte, den Müll einzusammeln. Wer dem nicht nachkam oder angebrochene Bierflaschen im Vorzelt lagerte, wurde mit Verweis vom Festivalgelände gedroht – total überflüssig, etwas mehr Freundlichkeit wäre da sehr wünschenswert gewesen! Als Strafe für zu viel Müll sollte man dann noch 5 € „Strafe“ zahlen – was soll das? Verständlich, dass viele Fans nicht gewillt waren, diese zu zahlen. Zumal man diese ja schon im Rahmen des Campings samt KFZ gelöhnt hatte.
Nachdem man den einen oder anderen Kumpel auf dem Campingplatz begrüßt hatte, ging es erst mal wieder zurück auf das Festivalgelände, denn da spielt schließlich die Musik. Die größte Aufmerksamkeit, die DÉTENTE jemals bekommen haben, war wohl die Bekanntgabe des Todes von Sängerin Dawn Crosby, die 2001 verstarb. Bis zum Split 1989 hatte sie der Band ihre außergewöhnliche Stimme geliehen, ehe sie FEAR OF GOD gründete. Neben fünf Demos gab es mit DÈTENTE mit „Recognize No Authority“ nur ein Album, das 1986 erschien. Am Gesang ist mittlerweile Ex-HELLION- Röhre Ann Boleyn zu hören, die früher ja einmal das Label New Renaissance Records leitete. Zur weiteren Besetzung gehören 2008 Dennis Butler (Drums), Steve Hochheiser (Bass) und Caleb Quinn (Gitarre). Ann mühte sich redlich, aber so aggressiv und hasserfüllt wie Dawn klang sie nicht. Dennoch machte sie ihre Sache sehr gut und schrie sich die Seele aus dem Leib. Steve und Caleb bewegten sich so gut wie gar nicht und beschränkten sich auf ihre Backing Vocals neben dem Instrumentenspiel. Daran sollte man vielleicht noch arbeiten. Denn der rohe Thrash Metal mit gelegentlichen Grindcore- Einschüben ist nicht so schwierig zu spielen, als dass man sich die ganze Zeit auf sein Instrument konzentrieren muss. Musikalisch überzeugten dennoch Songs wie „Life Is Pain“, „Losers“ oder „It´s Your Fate“, man merkte jedoch, dass sich die Songs einfach zu sehr gleichen. Das geneigte Publikum war offenbar nicht gut mit dem Songmaterial der Band vertraut, zeigte sich aber angetan und brachten die gute Ann das eine oder andre Mal ein wenig in Verlegenheit.
Einige dürften es gar nicht mitbekommen haben, aber der Auftritt von BLAZE BAYLEY und seiner Band stand einige Wochen vor dem Festival durchaus auf der Kippe. Hintergrund ist der, dass Blazes Frau, die auch seine Managerin ist, am 06. Juli mit einer doppelten Gehirnblutung in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Bis vor kurzem war sie noch nicht aus der Bewusstlosigkeit erwacht. Ein Festival hatte Blaze daher bereits abgesagt und auch die Südamerika-Tour wurde auf Anfang 2009 verschoben. Über den aktuellen Gesundheitszustand von Debbie ist bislang nur bekannt, dass sie dreimal erfolgreich operiert wurde und in einem Coma liegt, das Tage, Wochen oder auch Monate andauern kann. Ihr Zustand ist solide, aber nach wie vor kritisch, sie atmet jedoch selbständig. Es bleibt daher nur, Debbie das Beste zu wünschen, damit sie schnell wieder auf die Beine kommt, denn dieser Prozess wird lange dauern und viel Kraft kosten.
Der Auftritt auf dem HOA wurde letzten Endes nicht gecancelt, da Blaze der Ansicht war, dass Debbie so hart für die Band gearbeitet hat, so dass sie auch gewollt hätte, dass die Jungs hier auftreten. So legte die Band einen 80-minütigen Gig hin, der unter BLAZE- Fans niemanden enttäuscht haben dürfte. Geboten wurde ein Querschnitt aller bereits erschienenen Alben. Das aktuelle Werk „The Man Who Would Not Die“ (Review siehe Rubrik Rezensionen) war erst wenige Tage vor dem Festival erschienen und so spielte man lediglich drei Songs. Natürlich wurde auch die IRON MAIDEN- Phase in Form der Songs „Futurreal“, „Virus“ und „Man On The Edge“ berücksichtigt. Blaze hat sich vor dem Hintergrund des Zustandes seiner Frau übrigens nichts anmerken lassen und spulte sein Programm professionell ab. Dabei war er wie immer wie ein Derwisch am herumtoben und übertrug jede Menge Energie auf das Publikum.
Wer wollte, konnte sich die „Mannstoll Feuershow“ anschauen. Dazu wurde vor dem Eingang, wo sich die diversen Stände befanden, in einem abgesteckten Kreis mit Gegenständen jongliert, die brannten. Als Künstler agierten einige Mädels, die knapp bekleidet waren. Allerdings kannte man das schon vom letzten Jahr. Wen es nicht interessierte, sicherte sich schon mal einen guten Platz für den Headliner des Abends.
SODOM befanden sich schon bei ihrem Auftritt auf dem Rock Harz- Festival eine Woche zuvor in einer bestechenden Form und auf dem HOA hatten sie noch eine um 30 Minuten ergänzte Spielzeit. Los gings ganz entspannt mit „Blood On Your Lips“ vom letzten regulären Album „Sodom“, ehe zum ersten Mal mit „Outbreak Of Evil“ tief in die 80er Mottenkiste gegriffen wurde. Doch SODOM haben auch nach dieser glorreichen Zeit geile Songs geschrieben, das bewies „M-16“. Die erste Singleauskopplung in der Geschichte der Ruhrpöttler durfte natürlich nicht fehlen und so war „Sodomy & Lust“ Wasser auf die Mühlen der Old-School-Thrasher, die an diesem Abend besonders zahlreich vertreten waren. „City Of God“ beschwor noch einmal den aktuelleren Zeitgeist, während man mit der THE TRASHMEN- Coverversion „Surfin´ Bird“ überrascht wurde, die nicht unbedingt durch einen komplexen Songtext überzeugt, kommt der gesamte Songtext doch mit sechs Textzeilen aus. Auch in den 90ern hatten SODOM ihre Momente, das rief uns „The saw Is The Law“ in Erinnerung. Der Mob war am Toben und Tom heizte es durch seine lockeren Sprüche noch zusätzlich an. Durch Ansprachen wie „Ich hab´ gehört, dass ist hier ´ne Wacken- Gegenveranstaltung!“ machte er sich im Publikum einige Freunde und auch Gitarrist Bernemann hatte sichtlich Spaß an der Show und war ständig in Bewegung. Was man sich von einer anständigen SODOM-Show versprach, wurde gehalten und da sorgten Songs wie das selten gespielte „Obsessed By Cruelty“, das immer wieder geile „Wachturm“ oder das in deutscher Sprache vorgetragene „Ausgebombt“ auch für. Mit „Napalm In The Morning“ präsentierten uns die Jungs einen Song zum Verschnaufen und „Die Stumme Ursel“ wurde begeistert aufgenommen und lautstark mitgesungen, wenngleich es diesmal keine Gummipuppe unter den Fans gab wie auf dem Rock Harz- Festival. Danach erhörte Tom die fast schon flehentlichen Rufe der Fans und spielte das lang geforderte „Agent Orange“, das von „Remember The Fallen“ gefolgt wurde, welches sich ja auf dem gleichen Album befindet. Mit „Es Gibt Kein Bier Auf Hawaii“ rief die Band in Erinnerung, dass es ja auch mal ein ONKEL TOM- Projekt gab, von dem es im nächsten Jahr auch wieder eine neue CD samt Tour geben soll. Als Zugaben wurde den Fans dann noch das völlig überflüssige „Ace Of Spades“- Cover präsentiert. Wieso muss es immer dieser eine Song sein? Dann doch lieber „Iron Fist“, das tönt wenigstens ordentlich dreckig, ist ja auch auf dem „Persecution Mania“- Album zu finden. Mit „Bombenhagel“ ließen sich die Fans aber einigermaßen versöhnen.
Bierselig ging es dann auf dem Campingplatz noch hoch her. Die angekündigte Metal-Disco mit DJ Eddie, die am Freitag und Samstag jeweils um 2 Uhr nach der letzten Band im Meet & Greet- Zelt starten sollte, viel allerdings flach. Genaueres ist nicht bekannt, aber der DJ, der schon vor Ort war, wurde wohl wieder nach Hause geschickt, nachdem er unverschämte Forderungen stellte, was die Technik vor Ort anbelangte. Die Leute auf dem HOA brauchen allerdings nicht unbedingt einen DJ, um ordentlich zu feiern, ich hatte allerdings schon den Eindruck, dass die Stimmung nicht ganz so exzessiv war wie im letzten Jahr, aber wahrscheinlich waren die Fans durch das geile Billing einfach zu sehr ausgelaugt.
Samstag, 26.07.2008
Für uns ging es am nächsten Tag erst gegen 15 Uhr weiter, da wir die Nacht in heimischen Betten verbrachten und der Stress der letzten Tage seinen Tribut forderte. Daher noch einmal die Tastatur an den Kollegen Aggressive Perfector weitergereicht.
Bisher kannte ich ABANDONED nur vom Namen und von gelegentlichen Lobpreisungen einiger Kumpels her, daher also mal die frühe Spielzeit nicht gescheut und zum Festivalgelände gewankt. Musikalisch und stimmlich wurde ich allerdings nicht überzeugt. Irgendwie war mir alles zu modern, der Sound zu breitgezogen und die Riffs hat man alle in irgendeiner besseren Weise auch schon von jeder zweiten Amithrashband gehört. So richtig wurde auch das Publikum nicht warm, obwohl Sänger Kalli versucht hat, die wenigen Leute vor der Bühne zu motivieren. Wer ABANDONED nicht gesehen hat, muss also nicht traurig sein. Hier hat man nichts verpasst.
Anschließend enterten dann DESTRUCTOR die Bühne. Im Gegensatz zu ABANDONED ein Unterschied wie Tag und Nacht. Endlich war auf der Bühne Spielfreude, geile Musik und ein Sänger zu sehen, der sein Handwerk noch zu verstehen weiß, und vor der Bühne waren einige Leute zu sehen. Absolut solider Gig, bei dem DESTRUCTOR einen Knallersong nach dem anderen rausgehauen haben. Thrash Metal wie man ihn sich wünscht. Meiner Meinung nach hätten DESTRUCTOR auch locker einen Platz viel weiter hinten in der Running Order verdient, denn was hier geboten wurde, stellte die meisten nachfolgenden Bands absolut in den Schatten.
Soweit der Kollege Aggressive Perfector. Um 15 Uhr luden dann PRAYING MANTIS zum Tanz. Die Mitte der 70er Jahre gegründete Band veröffentlichte 1981 mit „Time Tells No Lies“ ein Album, was für die NWoBHM- Szene wichtig war. Danach gab es jedoch Probleme mit dem Management und verschiedene Namenswechsel, ehe man sich 1990 wiedervereinigte und seitdem regelmäßig neue Alben veröffentlicht. Vor zwei Jahren war die Band schon einmal zu Gast auf dem HOA, spielte da aber recht viele neue Songs, was auf zahlreiche Kritik stieß. Für dieses Jahr wurde daher ein Old-School-Set angesetzt. So gab es von besagten Debüt mit „Children Of The Earth“, „Panic In The Streets“, „30 Pieces of Silver“, „Lovers To The Grave“ und “Flirting With Suicide” gleich fünf Songs von diesem Erfolgsalbum. Von den 1980 veröffentlichten Soundhouse Tapes gab es „Captured City“ und „Johnny Cool“ zu hören. So wurde die einstündige Spielzeit gut ausgenutzt und die Fans glücklich gemacht. Die Band hat sich auch nicht gerade gequält, ausschließlich die alten Songs zu spielen und hatte sichtlich Spaß – vor allem bei den Publikumsreaktionen. Bleibt zu hoffen, dass die neuen Alben der Band diesen Spirit aufnehmen, so dass die künftigen Songs wieder mehr mitreißen als das Material der letzten Jahre.
AXEHAMMER waren vor zwei Jahren auf dem „Keep It True“- Festival bereits zu Gast. Inzwischen haben sie mit Mark Stewart, der auf dem 2002er Release „Invitation To Insanity“ der amerikanischen Band THRUST zu hören war, einen neuen Sänger. Die beiden Alben „Lord Of The Realm“ (1998) und „Windrider“ (2005) wurden ja noch mit Bill Ramp eingespielt, der seine Gesangskarriere leider aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste – eine Schande, bei dem Talent! Schon beim Opener „Princess“ vom Debüt „Lord Of The Realm“ zeigte sich, dass es mit Mark nicht funktionieren kann – der Mann hat es nicht drauf, die Melodiebögen umzusetzen und kommt nicht annähernd so hoch wie sein Vorgänger. Da bekommt man echt das Grauen, spätestens bei dem Anblick des jungen Mannes, der im Schottenrock und schwarzem Hemdchen auftritt. Bassist Matthew Roxx versuchte durch viel Bewegung zwar einiges wettzumachen, aber dafür hat Gitarrist Jerry Watt den Aktionsradius einer Streichholzschachtel. Die Klassiker wie „Breakdown The Walls“ oder die Bandhymne „Axehammer“ sind so kaum wiederzuerkennen und die Songs vom zweiten Album wie „Stand Up And Fight“ oder „Windrider“ haben genauso wenig ein herausragendes Songwriting wie die noch unveröffentlichten neuen Songs der Marke „Demon Killer“, „Cemetary“ oder „The Final Battle“. Die Rohheit und die Leidenschaft vom Debüt sind bei den aktuellen Songs gar nicht mehr vorhanden und der Sänger „überzeugt“ neben den genannten Kritikpunkten auch noch mit einer langweiligen Bühnenperformance. Nicht nur für mich die Enttäuschung des Festivals!
Die WILD DOGS zählen zwar zu den US Metal- Bands, von den Fans dieser Metalrichtung werden sie dennoch nicht so sehr verehrt. Woran das liegt? Die Amis gründeten sich bereits 1980 und veröffentlichten ihre erste Scheibe 1983. Dort war zwar US Metal zu hören, allerdings mit kräftigem Rock´n Roll- Einschlag. Man gab sich weniger technisch und verspielt, dafür hatte man ein simpleres Songwriting und einfachere Strukturen. 2008 besteht die Band lediglich als Trio und führt im Line-Up Matt McCourt (Vocals, Bass), Robert Robinson (Gitarre) und Bryce Van Patten (Drums) auf. Matt, oder Fatt Matt, wie eines seiner Projekte hieß, hat gewichtstechnisch ordentlich zugelegt, ist aber immer noch eine mehr als imposante Erscheinung. Soweit ich weiß, hat Matt auf den ersten beiden WILD DOGS- Alben „Wild Dogs“ (1983) und „Man´s Best Friend“ (1984) gesungen und von diesen Werken wurden auch am meisten Songs vorgestellt bzw. in Erinnerung gerufen: Mit „Life Is Just A Game“, „The Tonight Show“, „The Evil In Me“, „Born To Rock“, Take Another Prisoner“ und „Two Wrongs“ gab es alleine sechs Songs vom Debüt, mit dem man übrigens die erste Band war, die von dem kultigen US-Label Shrapnel Records gesignt wurde. Vom zweiten Album „Man´s Best Friend“ knallten die Jungs dem Publikum Tracks wie „Believe In Me“, „Stick To Your Guns“ oder „Not Stoppin´“ vor den Latz. Mit „Reign Of Terror“ gab es noch den Titeltrack vom dritten Album, auf dem Matt gar nicht mehr gesungen hat. Schon etwas merkwürdig, dass es vom 2006er Release „The Ring Of Blood“ gar keinen Song gab, dafür aber von dem Projekt FATT MATT, in dem ja auch Drummer Bryce Van Patten spielt: Der Titeltrack vom 2006er Release „Atomic Thunder“ war zu hören, ein richtig geiler und schneller Song. Fatt Matt ist ja schon durch seine Erscheinung außergewöhnlich, aber mit seiner Nietenweste und der Ledermütze, die er auch auf dem ersten Album af dem Cover getragen hat sowie der Sonnenbrille sah er aus wie ein furchteinflößender Maniac. Aber Hunde, die bellen, beißen bekanntlich nicht und so hatten die Fans jede Menge Spaß und Matt hatte die Meute nicht zuletzt wegen seinen respektvollen Ansagen im Griff. Die einstündige Spielzeit verflog jedenfalls wie im Fluge.
Nach so viel ausländischer Mucke war es mal wieder Zeit für eine deutsche Band und so konnte man während der nächsten 50 Minuten unsere Freunde von REBELLION begutachten. Die von den Ex-GRAVE DIGGER- Leuten Tommy Göttlich (Bass) und Uwe Lullis (Gitarre) gegründete Band hat für ihre Alben eigentlich immer sehr gute Kritiken bekommen, aber zum Durchstarten hat es noch nicht gereicht. An den Live-Shows kann es nicht liegen, wenn man den Auftritt auf dem HOA als Maßstab nimmt, die Bandmitglieder waren ständig in Bewegung, versprühten jede Menge Energie und waren schnell total verschwitzt. Interessanterweise waren eher die jüngeren Fans mit dem Songmaterial des Fünfers vertraut. Zunächst hatten sowohl Band als auch Publikum unter dem schlechten Sound zu leiden, denn die Drums waren viel zu laut und die Gitarren zu leise. Insgesamt waren die Songs doch etwas zu gleichförmig und die Abwechslung fehlte bei Tracks wie „Taste Of Steel“, „Born A Rebel“, „Through The Fire“ oder „Canute The Great“. Interessant übrigens, dass die Band die Konzeptalben auf geschichtlicher Basis fortführt, wie man das früher von GRAVE DIGGER gewohnt war.
Verdammt lange nix mehr gehört von NEW EDEN, das letzte Album „Stagnant Progression“ wurde 2004 veröffentlicht, seitdem war mehr oder weniger Funkstille um die Mannen von Horacio Colmenares (STEEL PROPHET, AXEHAMMER). Sänger Rick Mythiasin (STEEL PROPHET, TARAXACUM, REDEMPTION) ist inzwischen nicht mehr dabei, ihn ersetzte Rod Arias. Das ist aber eigentlich kein Grund, erst eine halbe Stunde später nach der vom Veranstalter kommunizierten Startzeit zu beginnen, so dass sich dies fortan auch bei den anderen Gruppen der Beginn verschob. Die Folge war, dass man sich fortan nicht mehr auf die Startzeit der jeweiligen Gruppen verlassen konnte. Doch in den folgenden 50 Minuten zeigte die Band, dass sie nichts verlernt hat. Speziell Horacio wurde eins mit seiner Gitarre, genoss die Anfeuerungsrufe seiner Band seitens des Publikums und war wie ein Maniac wild am Headbangen - und das trotz seiner schwierigen Parts, denn der progressive Power Metal der Kalifornier ist auf jeden Fall ziemlich anspruchsvoll. Daran konnten auch die massiven Soundprobleme nichts ändern, obwohl man vom Gitarrensound nicht viel hörte, dafür umso mehr von den Drums, die vollkommen übersteuert waren. 2008 ist im Line-Up auch nur noch Platz für eine Gitarre, so dass die Band auf ein Quartett zusammengeschrumpft ist.
Mit „Sunshine“ und „Piracy“ ging es auch gleich los mit zwei Songs vom starken Debüt „Through The Make Believe“ aus dem Jahr 1997. Mit „Stagnant Progression“ gab es den Titeltrack vom letzten Album. Auch „Threshold Of Tolerance“ ist auf dem letzten Werk vertreten gewesen. Das 99er Werk „Obscure Master Plan“ wurde mit „Land Of Filth And Money“ bedacht, ebenso sind „Dance Of The Dead“ und „Demons Of The Earth“ auf diesem Album vertreten. Der Kreis schloss sich schließlich mit „Symptoms Of Time“, ein Track vom Debüt-Album. Alles in allem eine geile Show von einer progressiven Power Metal- Band, die den Auftritt dazu genutzt hat, sich in das Gedächtnis der Fans zurückzurufen. Jetzt muss der nächste Schritt in Form eines neuen Albums kommen, das letzte Werk ist schließlich schon fünf Jahre alt. Dies wird in Form des Titels „Solving for X“ auch in Kürze erfolgen, mit „Crawling Erect“ und „The Not Self“ gab es schon mal einen kleinen Vorgeschmack.
PICTURE sind sicherlich auch nur den alten Heavy Metal- Fans ein Begriff, wenngleich HAMMERFALL 1998 auf der „Heeding The Call“- EP ihren Klassiker „Eternal Dark“ coverten. Die Holländer waren die erste Heavy Metal- Band aus ihrem Land und wurden bereits 1979 gegründet. Nach einigen Scheiben in den 80ern veröffentlichte man jüngst eine Live-CD mit dem originellen Titel „Live 2008“ und so war die Tracklist auch mit diesem Auftritt recht identisch. Interessant übrigens die Optik der Band: Während andere Bands 20 Jahre nach ihrer aktiven Karriere kaum noch wieder zu erkennen sind, weiß man bei PICTURE sofort Bescheid. Vor allem Sänger Pete Lovell sieht noch genauso aus wie früher, inklusive einer Frisur, die eine Mischung aus Dee Snider 1984 und einem aufgeplatzten Pudel war. Die Haare sahen zunächst schwer nach Perücke aus, doch bei dem aggressiven Stageacting schied diese Variante schnell aus. Bassist Rinus Vreugdenhill sah ein bisschen nach Klaus Flodder aus der kultigen holländischen Assi-Serie „Die Flodders“ aus. Musikalisch gab es neben den Hits „Heavy Metal Ears“, „Diamond Dreamer“, „Eternal Dark“ oder „Live By The Sword“ auch Songs aus der zweiten Reihe wie „You´re All Alone“, „Tell No Lies“ oder „Choosing Your Sign“. Von der Band ging jede Menge Energie aus, vor allem Sänger Pete war ordentlich am Matte Schütteln und Durchdrehen, so soll das sein. Aber auch der Rest der Band hatte mächtig Spaß und gab gerade den jüngeren Leute im Publikum 70 Minuten Geschichtsunterricht in Sachen Old School Heavy Metal made in Holland. Mal sehen, wie es bei den Rosenabknickern weiter geht, ihre Homepage wurde zuletzt 2001 aktualisiert...
Die Wartezeit auf BEEHLER, die neue Band von Ex-EXCITER-Drummer Dan Beehler, in der auch Ex-EXCITER-Bassist Allan Johnson aktiv ist, zog sich trotz Verspätung noch mächtig in die Länge, völlig unverständlich! BEEHLER waren für nicht wenige Fans eines der Hauptgründe, das HOA zu besuchen, zumal im Vorfeld angekündigt wurde, dass es viele EXCITER- Songs der ersten drei Alben zu hören geben wird. Es ging dann auch gleich ordentlich los, „Stand Up And Shout“ und „Heavy Metal Maniac waren die ersten beiden Songs, gefolgt von „Iron Dogs“ und da merkte man Dan schon an, dass er ordentlich am Kämpfen war. Kein Wunder, gleichzeitig Drums zu spielen und zu singen ist wohl des Schwierigste, dem ein Musiker ausgesetzt werden kann, gerade bei dem Tempo, dass die Jungs an den Tag legten. Zudem war es eine der ersten Gigs der Band und da muss sich auch Dan noch mehr Kondition drauf schaffen. Doch es gab natürlich nicht nur die Tracks vom Debüt, die nachfolgenden Alben waren schließlich kaum schlechter und das bewies man mit Songs wie „Destructor“ oder „Evil Sinner“ vom „Violence & Force“- Album. Doch das Debüt hat natürlich Kultstatus, das weiß die Band selbst und so wurde das langsame „Black Witch“ intoniert. BEEHLER wollen natürlich auch ihre eigenen Songs spielen und so stellte man dem Publikum eines der ersten Songs vor, der für BEEHLER geschrieben wurde: „Used Bitch“. Der Track kam im eher langsamen Midtempo daher. Darauf folgte ein weiterer neuer Song, der auf den Namen „Psychotron“ hörte, der vom Songwriting her aber nicht mit den Klassikern mithalten konnte. Dabei beließ es die Band aber auch und es folgten Klassiker wie „Rising Of The Dead“ oder „Pounding Metal“. Bei letzterem Song war Dan nicht so ganz mit den Publikumsreaktionen zufrieden, doch nach drei Tagen Festival und Dauerparty ist so ein Publikum irgendwann auch mal ausgelaugt. Im Vergleich zu EXODUS am Donnerstag gab es auch kaum Stagediver. „Beyond The Gates Of Doom“ vom “Long Live The Loud”- Album hat es etwas überraschend in die Setlist geschafft, während “Violence & Force” noch einmal voll überzeugen konnte: Dan verprügelte die Felle ohne Gnade, der Song war deutlich schneller als auf Konserve und der Gesang war gespickt von geilen Screams. Als uns die Band allerdings mit „Ace Of Spades“ eine Coverversion unterjubelte und das auch noch als finalen Song, war die Enttäuschung groß! Erst einmal waren das statt der angekündigten 80 Minuten gerade mal eine Stunde Spielzeit, dann hatten am Vortag SODOM ja schon diesen Song gecovert und außerdem hat die Band genug andere EXCITER- oder BEEHLER- Songs, die sie stattdessen hätten spielen können. Darüber hinaus müssen noch die Saitenkünstler kritisiert werden: Wenn man schon keinen Sänger hat, der die Meute auch zwischen den Gesangspassagen an der Bühnenfront anheizt, dann sollte doch vor den Drums ein bisschen Bewegung und zumindest visuelle Kommunikation herrschen! Der eine Gitarrist bemühte sich sich zwar, doch der zweite Gitarrist und Bassist Allan Johnson waren diesbezüglich Totalausfälle – dies bitte bei den nächsten Gigs üben! Ansonsten hat es aber viel Spaß gemacht und man kann nur hoffen, dass die Jungs bald wieder kommen!
Wie schon am Vortag gab es im Anschluss wieder die MANNSTOLL FEUERSHOW, die aber mit der genannten Veranstaltung identisch war, so dass ich mir weitere Worte hier einmal spare.
Als Abschluss standen als Headliner DEATH SS in den Starlöchern, die sich aber auch noch einmal mächtig viel Zeit ließen. Um 00:15 Uhr sollte es los gehen, letzten Endes wurde es allerdings fast 01:20 Uhr. Die Italiener, die mit ihrem Schock Metal mit Black Metal- Anstrich der ersten Generation nicht so Recht zum restlichen Billing des Festivals passen wollten, hatten für das HOA ihren allerletzten Auftritt ihrer Karriere angekündigt. Das überraschte schon, weil sie hierzulande kaum eine Sau kennt und sie nur in ihrem Heimatland Italien recht populär sind. So werden die meisten Fans in den ersten Reihen wohl auch dem Land in Stiefelform angehört haben. Musikalisch war das sehr minimalistisch, doch showtechnisch wurde einiges aufgefahren. So verkörperte jedes Bandmitglied einen Charakter, den er auch optisch darstellte (Mumie, Priester usw.). Da wurde die satanische Messe gelesen, die Brüste einer Jungfrau gezeigt und dergleichen mehr. Doch die beste Show bringt nicht viel, wenn die Musik belanglos ist und so waren die meisten Leute im Publikum, sofern sie nicht Anhänger der Band waren, eher gelangweilt und verließen frühzeitig das Geschehen, um das Festival so langsam ausklingen zu lassen. Viele hatten ihr Zelt auch schon im Hellen abgebaut und das Gelände vor DEATH SS verlassen.
Sonntag, 27.07.2008: Aftershowparty im Ballroom in Hamburg
Wer immer noch nicht genug hatte von großartiger Musik und coolen Leuten sowie fanfreundlichen Bands, der bewegte sich am Sonntag noch in den Ballroom Hamburg am Hafen Hamburgs, wo fünf Bands, die allesamt bereits auf dem HOA gespielt hatten, noch einmal zum Tanz baten und das für lächerliche fünf Euro – also ein Euro je Band! Wenn man sich auf dem HOA die Tage umgehört hatte, merkte man schnell, dass es zahlenmäßig recht viele Fans sein sollten, die den Weg hierher fanden, was in den Vorjahren nicht der Fall war Das galt vor allem für unsere ausländischen Freunde und so waren wir Deutschen eher in der Minderheit.
Den Beginn machten die Lokalmatadoren von STONE COLD BLACK, die den „Battle Of The Bands“- Wettbewerb im Ballroom zuvor gewonnen hatten und daher auch auf dem HOA spielten. Zur Aftershowparty stießen sie allerdings erst spät hinzu – man benötigte nämlich eine Backline für das Event im Ballroom. Die Hamburger boten zeitgemäßen Thrash Metal ohne große Höhepunkte, allerdings benötigen ihre Songs auch einige Durchläufe. Diese Geduld hatten nicht alle nach dem anstrengenden Festival und so hielten sich viele lieber draußen auf – zumal die Luft im Ballroom auch amtlich warm war. Bei den heißen Temperaturen, die bereits auf dem HOA das Wochenende über herrschten, wollten sich das nicht viele Leute antun.
Der einzige Nachteil an diesem tollen Abend war, dass niemand wusste, welche Band denn eigentlich als Nächstes spielte. Die meisten Acts stärkten sich allerdings in einem Straßenrestaurant ein Haus weiter und immer, wenn sich diese Mitglieder auf den Weg machten, wusste man, dass es bald weiter geht. Weiter ging es auf diese Weise mit LETHAL, die die gleiche Setlist vom HOA einfach noch einmal wiederholten – wofür ihnen die Fans auch dankbar waren. Bei dieser Band war es mit Abstand am vollsten vor der Bühne und die Band gab noch einmal alles. Sänger Tom Malicoat hatte zwar immer noch seinen beknackten Strandhut und seine übergroße Sonnenbrille auf, aber bei dem göttlichen Gesang ist es auch egal. Selten so einen sirenenhaften Gesang gehört, der alle Töne traf – ein Traum! Gitarrist Eric Cook ging ab wie Schmidts Katze und auch sein Bruder, Bassist Glen Cook, hat das Posing noch ganz gut drauf – er trug sogar standesgemäß weiße Turnschuhe wie früher. Alles in allem wieder mal ein gnadenlos geiler Gig der Amis, die wahnsinnig viel Spielfreude versprühten und mächtig Spaß hatten!
Es ist wohl einmalig, dass man innerhalb von vier Tagen dreimal in den Genuss einer DEADLY BLESSING-Show kommt! Jahrelang sind sie – außerdem Konzert beim „Keep It True“- Festival 2005 – in Europa nicht zu sehen und dann gleich in kurzer Zeit so oft. Leider haben sie im Moment damit zu kämpfen, dass ihr neuer Sänger Stephen Childs nicht besonders anerkannt ist und aus den übergroßen Fußstapfen von Ex-Sänger Ski erst noch herauswachsen muss. Zudem waren die Auftritte auf dem HOA am Donnerstag und am Samstag als Ersatz für die ausgefallenen PARADOX von der Songauswahl etwas unglücklich, so dass viele Leute eher enttäuscht waren. So kam es, dass sich vor der Bühne gerade mal um die 20 Nasen versammelten. Doch die Band gab ihr Bestes und wie man sah, sind die Jungs aus New Jersey definitiv eine Clubband und so sprang der Funke auf das Publikum schnell über. Plötzlich funktionierten auch die neuen Songs, was zeigt, dass sie einfach nur ein paar Durchläufe brauchen. Wenn man sich damit abgefunden hat, dass die Vocals nicht ständig nur in schwindelerregenden Höhen vorgetragen werden, hat man auch mit DEDLY BLESSING 2008 viel Spaß. Und die Songs vom „Ascend From The Cauldron“- Album wie „Search and Destroy“ oder „Cry Of Medusa“ sind ja sowieso jedes Mal geil.
Die WILD DOGS, die vor dem Festival sicherlich nicht so viele Leute kannten, haben sich einige Fans erspielen können. Ihr Rock´n Roll durchtränkter US Metal geht sofort ins Tanzbein und bietet tolle Headbangpassagen. Die Tracklist war auch hier identisch mit den Songs, die auf dem Festival am Samstag intoniert wurden und so sah man viele Headbanger vor der Bühne. Besonders sympathisch waren die Ansagen von Sänger Fatt Matt, der mit einigen deutschen Worten Sympathiepunkte sammelte. Er lobte das Bier, die Metalheads und die Frauen hierzulande und hatte mächtig Spaß, auch wenn auf dem Festival natürlich wesentlich mehr Leute zugegen waren. Seine lockere Art und das Gitarrenspiel von Gitarrist Robert Robinson, das wie in Ekstase wirkte, kamen sehr gut an und so konnten die Amis nach ca. 50 Minuten zufrieden das Konzert beenden.
„Headliner“ waren dann DÉTENTE. Inzwischen waren nur noch einige Hardcore-Fans dabei, die nicht genug bekommen konnten. Einige mussten am nächsten Tag eben arbeiten und konnten den Auftritt von Ann Boleyn & Co. nicht miterleben. Gitarrist Caleb Quinn „überzeugte“ mit seinem weißen SPICE GIRLS- Shirt, ansonsten war eigentlich alles wie bei dem Auftritt auf dem HOA – nur die Spielzeit nicht, denn nach einer guten halben Stunde war schon wieder Schluss. Wahrscheinlich ist diese Art von Gesang auf Dauer einfach zu anstrengend für Ann gewesen, denn so voller Hass zu singen ist sie wohl noch nicht gewöhnt. Besonders niedlich übrigens die Variante, sich die Setlist auf die Innenseite Ihrer Handfläche zu notieren. Die Band war jedenfalls noch voller Feuer und die wenigen Anwesenden wollten noch eine Zugabe, doch dieser Wunsch blieb unerfüllt.
So gingen vier Tage Festival-Party zu Ende und es waren sich alle einig, dass es ein tolles Wochenende war, an dem sämtliche Bands überzeugten und vor allem die Atmosphäre stimmte und nur von wenigen Störfeuern in Form von geistigen Tieffliegern unterbrochen wurde. Abschließend ein großes Lob an Organisator Thomas: Welcher Veranstalter stellt schon sein Privatgelände für so einen geilen Event zur Verfügung?