
Morgens um kurz vor 7 Uhr Abfahrt in Neumünster mit insgesamt 3 Personen.
Gegen 8 Uhr bewegen sich schon Horden von Metallern durch das Örtchen.
Geduldig warten wir vor dem Gebäude wo wir unsere Presse-Ausweise erhalten sollen.
Hier knüpft man schon einige Kontakte und trifft auch auf altbekannte Gesichter aus den letzten Jahren.
Auf dem Backstage Parkplatz angekommen haben wir erst mal unsere Zelte und Pavillione aufgeschlagen. Nette Nachbarn haben uns eine Elektro-Pumpe für unsere Luftmatratzen geliehen.
Diese konnte man bequem an der Zigarettenanzünder-Buchse im Auto anschließen.
Schön wenn die Lunge nich gleich schon am Anfang so gequält wird.
Nach dem wir uns die ersten Stunden um die Ohren geschlagen hatten und auf Einlass warteten, ging es endlich los.
LAUREN HARRIS war an der Reihe und wir waren sehr gespannt, was der Nachwuchs vom MAIDEN Bassmann drauf hat. Mein erster Eindruck ist leider, daß sie ausser ihrem hübschen Aussehen nichts zu bieten hat. Mittelmäßiger bis schlechter Gesang, 08/15-Mucke usw.
Wäre ihr Vater nicht Steve Harris von Iron Maiden, dürfte sie in Wacken nicht einmal in die Nähe eines Mikros kommen. Sorry, aber das war nix.
Dann zog es uns zur Party Stage. NASHVILLE PUSSY waren am Start. Yeah, Textzeilen wie " I'm so high I gotta look down to see the sky" und Titel wie" Hate and Whisky" erzählen vom Leben und das Ganze in bester Schweinerockmanier vorgetragen. Eine sehr gute Liveband, die Lust auf mehr macht.
Auf der Wetstage spielen ALESTORM, zeitgleich mit Avenged Sevenfold. AVENGED SEVENFOLD haben das Pech, vor Publikum zu spielen, das in erster Linie auf IRON MAIDEN wartet und sich die vorderen Reihen sichert. Songs wie "Remenissions" und "Unholy Confessions" bringen dann doch noch viele zum Schunkeln und Headbangen und so kann Matt Shadows seinen Geburtstag mit einem gelungenen Gig abrunden.
Um 21:30 kommt dann endlich, worauf die Menge seit Stunden wartet: IRON MAIDEN betereten die True Metal Stage, die ersten dreißig Meter vor der Bühne werden von ziellosem Drängeln und Schubsen beherrscht. Wir stehen etwas weiter rechts, aber dennoch ziemlich weit vorne.
"Aces High" als Intro, rhythmische Bewegungen unterschiedlichster Art setzen bei den Hörern ein. Bei "Fear of the Dark" gibt es kein Halten mehr. Beim Händeklatschen wird mal wieder bewiesen, das es auch unter den Metalfans viele Leute gibt die ein Rhythmus-Gefühl haben, das gen Null tendiert. Warum müssen so viele das Gitarrenintro mit "oh-oh-oh-oh-oh-oh-oooo" mitsingen? Sogar auf Zeltplatz C soll der Sound glasklar gewesen sein. Dank der Video Walls, die zwischen Black- und True Metal Stage sowie rechts und links aufgebaut waren, lässt sich die Show hinten auch genießen. Bruce Dickinson hat das Publikum voll im Griff, und zurück bleibt die Erinnerung an ein superklasse Konzert. Man merkt den Jungs ihr hohes Alter nicht wirklich an.
Freitag, 1. August
Der Tag fängt schon um 11 Uhr an mit GRAVE auf der Black Metal Stage und zeitgleich PRIMORDIAL auf der Party Stage. Es ist sonnig heiß und drückend schwül gleichzeitig, und das Gelände schon frühzeitig voll mit Erwartungshungrigen. Die Urgesteine des schwedischen Death Metal, deren Debut Album "Into the Grave" von 1991 Kultstellenwert hat, schütteln ihre Mähnen in drückender Hitze. Der Sound ist knochentrocken, die Höhen gerade vom Schlagzeug echt bissig reingedreht, der Schalldruck ist aber einfach ein bisschen zuviel für meine Ohren zu dieser frühen Zeit. Da gebe ich PRIMORDIAL den Vorzug, nicht aus Vorliebe, sondern aus purem Mitleid mit meinen Ohren. Frontmann Alan Nemtheanga mit schwarzweißer Kriegsbemalung auf Gesicht und Glatze heizt ordentlich ein, während die Drei an den Saiteninstrumenten synchron ihre Haarpracht um den Schädel kreisen lassen. Mit Passagen, die auf dem Wechsel von zwei Akkorden basieren, nehmen sie einigen Stücken das Tempo und erschafften den für die Iren so typischen tragenden Sound. "The Coffin Ships" lässt das Publikum abwechselnd ins Träumen und Moshen abdriften. Manchmal reizen sie allerdings die elegischen Parts so lange aus, dass es mir ein wenig zu langweilig und abgenudelt wirkt. Auf CD höre ich sie fast lieber als live, da dann die hypnotisierenden Parts schöner zur Geltung kommen.
Zurück auf dem Zeltplatz hatten einige Kollegen schon Bier gefrühstückt und taten sich schwer sich „so früh am Morgen“ zu bewegen. Plötzlich schlägt das Wetter um. Mit einem ordentlichen Guss sollte es sich für die nächsten Stunden erstmal richtig einregnen. Wie gut, dass ich auch ordentliches Schuhwerk dabei habe. Das ist mehr als nur ein Schauer, was die Wettergötter da für uns bereithalten. Erst als die Bostoner UNEARTH ihren brachialen, direkten Metalcore erklingen lassen, trauen wir uns wieder auf's Gelände. Viele trotzen dem Wetter. Sich regen in Regen bringt Segen, und so fängt eine Horde Wildgewordener an, im Kreis zu laufen. Sänger Trevor Phipps ermutigt sie sichtlich erfreut, schneller zu laufen. Das ergibt ein Schlammkarussell und dazu eine vor Energie strotzende Band auf der Bühne. Nur diejenigen, die sich für wilde Bewegungen nicht begeistern, frieren sich den Arsch ab.
Ich gebe dem sichtlich trockeneren Pressezelt den Vorzug, wo Doro Pesch gerade ein Interview gibt. Wir dürfen uns auf nächstes Jahr freuen, wenn sie Wacken zum wiederholten Male in ihren Bann ziehen wird. Nachdem Sabina Classen das Doro-Interview beendet hat, bereitet sie mit Hilfe ihres treuen Fanclub-Leiters Holger das Prelistening mit anschließender Pressekonferenz von HOLY MOSES vor.
Bei SONATA ARCTICA wagen wir uns wieder auf die nasse Fläche vor der True Metal Stage.
Ein paar Schlammmonster rangeln und bewerfen sich laut gröhlend mit Matsch, als Sonata schon spielen, und drohen mich zu bewerfen, als die Linse meiner Kamera sie ins Visier bekommt.
Warum auch immer bei Balladen und Klassik-Intros wie bei "Back and White" unrhythmisch geklatscht wird, frage ich mich seit den ersten Konzerten. Weiter hinten scheint der Sound ausgewogener als vorne, und die Videowalls lassen wiederholt den Genuss des Konzerts von weiter hinten zu. Sehr gelungen, bis auf das Wetter, das alle plagt.
Während OPETH auf der Hauptbühne zocken, schaue ich mir Massacre auf der Party-Stage an.
Da ich Opeth schon mehrfach live gesehen habe und Massacre ihren letzten Gig für alle Zeiten geben, widme ich mich dann doch lieber den spielfreudigen Jungs aus dem sonnigen Florida.
Einfacher, straighter Death Metal, der aber ne ganze Menge Spaß macht.
Miene Frau gönnt sich eine Pause bis zum fulminanten Auftritt von CORVUS CORAX, die mit einem ganzen Orchester angerückt sind. Damit sich bei der Vielfalt und Menge an Instrumenten und Stimmen die Einzelnen noch differenzieren lassen, ist die Lautstärke sehr moderat, leise im Vergleich zu anderen Bands. Teufel ist in Hochform, und das neue Album "Cantus Buranus II" erscheint zeitgleich im Handel. Puh, dann besteigt die Diva in Form von Sopranistin Ingeborg Schöpf die Bühne, bekleidet mit Kopfschmuck aus Pfauenfedern... Es ist und bleibt brilliant, aber ich habe eine Überempfindlichkeit gegen Sopranstimmen. Wer früher "Tim und Struppi" gelesen hat, wird sich sicher an denC harakter der Bianca Castafiore erinnern, deren Stimme regelmäßig Glas zu Bruch gehen ließ.
So entschloss ich mich, auf AVANTASIA zu warten. Die Metal-Opera hat ein großartiges Publikum, das andächtig wartet, um Ton und Licht ausgiebig zu genießen. Beim ersten Song ist leider das Mikro von Gesangsgott Jorn Land aus, so dass das Duett baden geht. Leider versteht keiner auf der Bühne, warum das Publikum mit Pfiffen und erhobenen Mittelfingern gen Mischerturm reagiert. Tja, auf der Bühne bekommt man so etwas leider oftmals nicht mit.
Bei "Lost in Space" kann die Lightshow die Atmosphäre dann ins Galaktische steigern. Der weibliche Teil der Zuhörer ist sichtlich ergriffen. Da hat sich Tobias Sammet schon ganz gut ins Zeug gelegt.
Eines der besten Performances, die ich je in Wacken gesehen habe – auch Dank stimmgewaltigen Mitstreitern wie dem bereits erwähnten Jorn Lande und Magnum Ur-Gestein Bob Catley.
GORGOROTH aus Norwegen entern um zwei Uhr nachts die Black Stage. Ihre nahezu furchteinflössende Show wird optisch durch mehre abgetrennte Lämmerköpfe und nackte, gekreuzigte Männer und Frauen (alles andere wäre sexistisch) unterstützt.

Sonnabend, 2. August
Nach dem Konzertmarathon vom Vortag haben sich die Veranstalter wohl überlegt, ihre Gäste am letzten Tag dann doch etwas länger ruhen zu lassen. Erst um zwölf sollen die ersten Auftritte stattfinden, so bleibt uns Zeit für ein gemütliches Angrillen. In der Nacht hatte es ein vermutlich durch Brandstiftung gezündetes Feuer auf dem Campingareal U gegeben. Zum Glück wurde niemand ernsthaft verletzt. Ein unglückseliger Schlafender wurde von einem Polizisten aus seinem abbrennenden Zelt herausgezogen, doch für seinen Wagen und seine Sachen war es zu spät. Es wurde ein Hilfsfond eingerichtet. Die Sanitäter zählten ganze 14.000 Einsätze während der ersten zwei Tage, 120 Festivalbesucher kamen sogar ins Krankenhaus. Naja, die meisten Fälle hatten mit zuviel Suff in der Sonne zu tun. Insgesamt habe ich aber eine gesteigerte Aufmerksamkeit gegenüber apathisch herumliegenden Leuten beobachtet, die von Gästen und Sanitätern ausging.
Nicht dramatisch, aber dennoch nervig, ist der wiederholte Abfall des Wasserdrucks bei den Toilettencontainern im Backstage Bereich, der zur Sperrung der selbigen am nächsten Tag führt. So stehen wir ein wenig widerwillig Schlange an den zum Glück noch erträglichen Dixies. Umso besser hat es das Wetter mit uns gemeint: sonnig, frischer Wind mit gelegentlich vorbeihuschenden Wölkchen.
Um zwölf dann erstmal zur Wetstage, wo PICA FIERCE als norwegischer Gewinner des Metal Battle ihr Können demonstrierten. Die vier Mannen aus Südnorwegen sind durch ihren Basser Hollgeir, der einen sehr ungewöhnlichen fretless 4-Saiter spielt, schon mal auffällig anders. Eine rauhe, kompromisslose Death/Core-Mischung mit technischer Brillianz, die häufig durch schnelles Unisonospiel von den 2 Gitarren und dem Bass richtig Druck erzeugt. Ob ihnen je der Durchbruch gelingt? Lohnt sich auf jeden Fall, mal reinzuhören, sie haben eine schön übersichtliche MySpace-Seite.
Im Pressezelt sollten nun PHARAO eine Probe ihres Könnens und ihre Bandgeschichte zum Besten geben. Nachdem sie zwanzig Jahre Musikgeschichte auf der 2007 bei Armageddon erschienenen CD zusammengefasst haben, schreiben sie nun wieder neues Material. Man kann sich auf ein gegen Ende des Jahres herauskommendes, neues Album der Berliner freuen. Sie spielten ihre neue Single "Why Not", die mit melodischem Intro daherkommt; tragende melodische Bassläufe bleiben eine schön klingende Eigenart dieser Band, auch bei "Liar" und "Like a Phoenix".
Auf der Partystage danach eins der zweifelsohne besten Konzerte auf dem diesjährigen Wacken: OBITUARY. Die Urgesteine des Death Metal aus Florida servieren eine gelungene Mischung aus Stücken von der "Slowly We Rot" bis zur neuen "Xecutioner's Return". Das gefällt mir insofern sehr gut, als dass sie auf der vorangegangenen Tour fast ausschließlich Stücke vom aktuellen Album gespielt hatten. John Tardy hat mit seiner Stimmgewalt die gelungene Mischung aus kehligem Röhren und druckvollem Geschrei zu bieten. Bei "The Evil Way", einem Stück von der aktuellen Scheibe mit Potential zum echten Reißer, schüttelt Ralph ein Solo aus dem Unterarm (um den der Name seines Sohnes tätowiert ist) das einem Schauer über den Rücken jagt, klar und mit sehr gutem Sound steht es der Brillianz des Solos auf dem Album in nichts nach. Nachteil der Party Stage ist wie immer, dass der Sound nur vorne richtig gut klingt, weiter hinten hat man Überlagerungen und bei dem Wind auch regelrechte Löcher. Zum Glück für mich steht die große Masse wohl bei HATEBREED an der Black Stage, so finde ich mich mit einigen Kollegen in den vorderen Rängen ein.
Dann schau ich mir kurz die wiedervereinigten Carcass an. Leider klingt der Sound mächtig dumpf, dennoch scheint Sänger Bill Steer bester Laune. Aber auch die Crowd hat ihren Spaß und vollführt fein anzuschauende Surf-Action! Richtig zünden kann es aber nicht. Besser geht da schon Mambo Kurt im Biergarten. Diesen erleben wir jedoch erneut nur vom Zelt aus, denn mittlerweile schüttet es wie aus Eimern –was den Amis von Killswitch Engage aber nicht daran hindert, dem jungen Volk auf der True Metal Stage mächtig das Hirn rauszupusten.
Es folgt ein kurzer Versuch, einen Eindruck von POWERWOLF auf der Wetstage zu erhaschen, doch der Missbrauch des Zaunes neben dem Eingang als Kloake und die Überfüllung lassen mich mit meinem vollgefutterten Magen schnell Abstand davon nehmen. Dieses ewige Strullen in jede Ecke hat nichts mit Festivalkult zu tun, es ist einfach nur eklig. Warum kann der Veranstalter nicht Dixi-Pissoirs aufstellen, wie in Amsterdam üblich? Pfui, Pissematsch und Gestank können es einem echt vermiesen.
Also geduldiges Warten auf NIGHTWISH. Große Spannung, wie sie mit Anette Olzon live sein würden. Ehrlich gesagt gefällt mir dieses Konzert wesentlich besser als das mit Tarja, was ich 2005 in Wacken gesehen habe. Als sie "Amaranth" spielen, ist die Atmosphäre echt magisch. Auch "Ever Dream" und "The Siren" lassen keine Wünsche beim Publikum übrig, sie überzeugen mit einem sehr ausgewogenen Konzert. Das Fantastische an Anettes Stimme ist das rauhe Rockige, was sie sehr gut dosieren und einsetzen kann. Kein Wunder, dass das aktuelle Album richtig oft verkauft wurde.
Dann kommen nur noch LORDI. Mit Wildschweinmaske wüst gestikulierend betritt einer die Bühne, wie uns die Videowall vermittelt. Dann ertönt schon "Heavy Metal-Rock'n'Roll", die Melodie total zusammengeklaut von Kiss' "Hotter than Hell" und "I Was Made For Lovin' You". Da nützt es nicht, dass sie alle ganz gut spielen können, wir sind uns einig, KISS durften das vor dreißig Jahren und dürfen es noch immer, aber die irgendwie nicht. Wir lassen es dann ausklingen mit ein wenig Palaver.
Irgendwann nachts brechen wir auf Richtung Heimat. Da die Fahrt nicht mal 45 Minuten dauert und ich für jede Nacht dankbar bin, die ich im eigenen Bett verbringen darf, habe ich es mir angewöhnt nicht noch von Samstag auf Sonntag in Wacken zu nächtigen.
Insgesamt wieder ein gelungenes Festival mit einigen Highlights, aber auch einigen Enttäuschungen.